KROK '97: A Long Voyage Down The Dnieper River
Sonntag 17. August
Wir treffen in Sevatopol ein. Mit einer Fähre erreichen wir das nahegelegene Khersones, wo direkt am Ufer des Schwarzen Meers die griechischen Ruinen zu besichtigen sind. Diese Tour durch die Ruinen gipfelt in einem erfrischenden Bad im Meer.
Heute läd Paul Bush die an seiner Arbeitsweise Interessierten in sein improvisiertes Studio, das er in seiner Kajute eingerichtet hat ein. Das Interesse ist gross, möglicherweise auch desshalb, da bis jetzt seine scratch technic in Russland, der Ukraine und Weissrussland kaum anzutreffen ist. Nach dem Wettbewerb gibt es im Cafe eine Präsentation des Projects 'Moscow Animation Project'. Aus Anlass des 850 jährigen Jubiläums der Stadt Moskau, stellte die Stadtverwaltung für dieses Projekt 2 Millionen US$ zur verfügung. Unter der Leitung von Michael Aldashin (Creative Director) sollen bis Ende des Jahres ca. 40 kurze Animationsfilme entstehen, die dann als Kompilation in Kinos und im Fernsehen zur Aufführung kommen werden. In das Projekt sind neben Aldashin auch Jouri Norstein, Alexander Tatarsky, Andrei Khrzhanovsky, um nur einige zu nennen, involviert. Darüber hinaus wareren auch nichtrussische Künstler eingeladen am Projekt teilzunehmen.
Nathalya Loukhynik stellte daran anschliessend das KROK-Kinder Workshop Projekt vor. Schon im Juni wurde mit zwanzig Kindern ein kurzer Animationsfilm (direct Animation) angefertigt. Dieser Film wurde nun im Rahmen vom KROK Festival von den anwesenden Profis ergänzt und erweitert. Das Ergebnis soll dann am Ende des Festivals dem Publikum vorgeführt werden.
Nach der Pressekonferenz bewegte man sich wieder in die Bar. Sinnigerweise wird diese Form der nächtlichen Unterhaltung vom Festival mit 'Re-Animation Club' bezeichnet.
Montag 18. August.
Meine Zeit auf KROK läuft ab. Das Schiff legt in Artek an. Gleich nach dem Frühstück gibt es ein Boot das uns nach Jalta bringt. Zum ersten mal in meinem Leben besuche ich diese schöne, aber von Touristen (wie ich einer bin) überrannten Stadt. Anschliesend beteilige ich mich wieder an einem sogenannten Massenschwimmen, das dieses Mal im einladenden Wasser des Schwarzen Meeres stattfindet.
Der letzte Wettbewerbsblock des Festivals entpuppt sich als der stärkste. Pink Doll (Valentin Ohlshvang, Russland); End of the World in Four Seasons (Paul Driessen, Kanada); Clocks (Kerstin Winter, Germany); Bird in the Window (Igor Kowaliow, USA) und Many Happy Returns (Marjut Rimminen, GB) sind so herrausragende Filme, die für die teilweise schwache Selektion der anderen Wettbewerbsprogramme (zu viele Filme in einem Programm und daher viel zu lange Programme) entschädigen. Im gleichen Programm sind neue Commercials der Russen Konstantin Bronzit, Rinant Gazizov und Alexei Karaev zu sehen. Commercials ist für die Russischen Künstler nun schon seit einigen Jahren, ein ökonomisch sehr willkommenes Betätigungsfeld. Viele Animatoren und Regisseure sichern sich damit ihren Lebensunterhalt. Beachtlich ist, die hohe Qualität dieser Auftragsfilme.
Artek ist ein Erholungszentrum für Jugendliche und Kinder. Das Festival organisiert hier einen Workshop mit Kindern und ergänzt das Ferienprogramm der jugendlichen Besucher mit open air screenings (Das Festivalmotto: Die besten Filme der Welt für die Kinder der Ukraine). Beide Vorstellungen sind voll gestopft mit Zuschauern, die begeistert dem Programm folgen. Die Riesenleinwand des einen Kinos ist direkt am Strand des Schwarzen Meers aufgestellt, rechts und links von schlanken Akazien begrenzt. Schräg darüber steht der freche, volle Mond der die laue Sommernacht mit einem milchweisen Schleier überzieht.
Auf dem Fussweg entlang dem Strand zurück zum Schiff vernehme ich schon von weitem die Tanzmusik und die Freudenschreie der begeisterten Tänzer. Ohne in dieser Nacht ein Auge zu schliessen, tanze ich bis in den frühen Morgen. Jetzt ist es die aufgehende Sonne dem KROK-Zauber ein jähes Ende setzt. Einen Tag vor der Preisverleihung und eine Woche vor Festival Ende bringt mich ein Bus in morgendlicher Fahrt zum Flughafen nach Simferopol. Im Bus dämmert es mir, dass KROK ein unbeschreibliches Festival, ja sogar ein Wunder ist. Danke KROK!
oTTo Alder war Programm Direktor des Int. Trickfilm Festival Stuttgart, ist Gründungsmitglied des 1995 gegründeten 'Fantoche' Festival (Baden, Schweiz),ist seit 1993 verantwortlich für das Animationsfilm Programm des Int. Leipziger Festivals (Deutschland),Mitglied des Beratungskremiums des Internationalen Animationsfilm Festivals Ottawa wirkte arbeitete als Mitglied von Auswahlkommissionen und Jurys vieler Festivals und arbeitet zur Zeit an einem Dokumentarfilm über den Russischen Animationskünstler Fedor Chitruk.























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