KROK '97: A Long Voyage Down The Dnieper River
Der Blick vom Deck bietet einen einmaligen Blick auf die durch Sergei M. Eisensteins Film Battleship Potjomkin zu weltberühmtheit gelangte Hafentreppe von Odessa. Kein Besucher des Festivals lies es sich entgehen, diese Stufen hinauf in die Stadt zu nehmen. Es scheint, dass die schöne, picturesque und südländisch anmutende Stadt Odessa die Trauer aus den Gesichtern der Festivalbesucher wehte.
Nach dem Abendessen läuft im Wettbewerb der Langfilm Katherina &Witt (Deutschland, 100 Min., 1997) von Mariola Brillowska und Charles Kissing. Mit brutalen, auf wesentliche Symbole reduzierten Bildern erzählt der Film eine Abenteuer- und Liebesgeschichte von zwei Interpol Agenten, die dabei sind, den grössten Kunstraub aller Zeiten aufzuklären. Der dialog- und textlastige Film übt harsche Kritik an der Kommerzialisierung der Kunst Kunsthandel und wirft viele berechtigte Fragen über die 'wahre' Bedeutung von Kunst in der heutigen Gesellschaft auf. Meine Befürchtung aber ist, dass Katherina &Witt selber ein Objekt des zwielichtigen Kunstmarkts und des dazugehörigen Subventionismus, wie er im Film selber kritisiert wird, sein könnte.
Als kultureller Höhepunkt des Rahmenprogramms galt die Lesung eines populärer Odessaer Satiriker im Kino. Die Russisch oder Ukrainisch sprechenden Besucher dieser Lesung waren Lachmuskel-strapazierend unterhalten. Mir blieben die Texte leider fast gänzlich verschlossen.
Samstag 16. August
Im Wettbewerb lief Casting des italienischen Altmeisters Guido Manuli. Die Gags hat man schon andernorts oft gesehen. Frauen die mit ihren grossen Brüsten agieren kann ich beim besten Willen nicht mehr witzig finden. Obwohl technisch einwanofrei, stellt sich bei diesem Film, dem jegliche Originalität fehlt das lachen nicht ein.
Quest von Tyron Montgomery und Thomas Stellmach hat seinen Oscar wohlverdient. Jedoch nach mehrmaligem sehen verliert der Film an Haltbarkeit. Die Geschichte ist so flach gestrickt, dass sie tatsächlich nach dem zweiten Mal sehen ihre Tiefe verliert.
Bolexbrothers (Bristol, GB) Chef Richard Hutchinson präsentierte im Wettbewerb Mike Booth's The Saint Inspector. Hutchinson berichtete auf der nächtlichen Pressekonferenz, das der Film weltweit schon an über 16 Fernsehsender verkauft werden konnte. Ebenso nutzte er die Möglichkeit, dem Publikum spontan das neueste Commercial seiner Firma, das mit einem Budget von £120.000 für Carlsberg Beer hergestellt wurde, vorzustellen. Der 20 Sekunden Spot (Regie: Dave Borthwick/Modell Animation) zeigt einen Schneemann im Kühlschrank der draussen auf einer frischen sommerlichen Wiese ein schönes junges Paar beim Bier trinken beobachtet. Angetan vom zu bewerbenden Produkt treibt es den Schneemann aus seiner frostigen, lebenserhaltenden Umgebung hinaus auf die Wiese, wo er sich dem kühlen Getränk hingibt und.....
Höhepunkt des heutigen Programms war die Retrospektive mit Filmen von Igor Volchek. Volchek, der sich schon auf manchem KROK Festival als begnadeter Pianist und Entertainer hervorgetan hatte, studierte am Minsker staatlichen Konservatorium Piano um danach an den Advanced Courses for Scriptwriters and Animation Film Directors in Moskau. Dort eignete er sich die Kunstfertigkeiten der Animation unter Chitruk, Norstein Nazarow und Khzhanovsky an. Heute arbeitet er als Artistical Director of Belarusfilm Studio (Minsk) und unterichtet Animation in Minsk. Capricio (1986) sein persönlichster und wohl autobiographisch zu verstehender Film markierte für mich den Höhepunkt des Festivals überhaupt und unterstreicht seine Meisterschaft als Autor und Regisseur. Ein Animationskünstler, den es internationalen noch zu endecken gilt.
KROK bietet noch weitere Spezialprogramme die ich jedoch nicht sehen werden kann. Darunter sind Retrospektiven von Monique Renault, Natalya Orlowa, Natalya Chernyshova, Fedor Chitruk, Vyacheslav Kotionochkin und Eugen Sivokon. Weiter Pogramme sind: eine Retrospektive des Ukrainischen Animationsfilms, ein Programm zum Thema 'Cinema about, Cinema'; 'Eros and Anima'; 'Computeranimation from SIGGRAPH' etc. Also insgesamt ein vielfältiges Festivalprogramm.























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