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KROK '97: A Long Voyage Down The Dnieper River

It is no secret that Japan consumes a massive amount of animated entertainment, but just how big is the home video market? Fred Patten puts it all in perspective.

Nunmehr zum vierten Mal fand vom 11. bis 25. August 1997 das geheimnisumwobene KROK (Schritt) Festival, das unter vorgehaltener Hand als das Beste Animationsfilm Festival überhaupt gehandelt wird, in der Ukraine statt. Was ist das besondere an KROK? Zuallererst wäre da die Tatsache zu nennen, dass das Festival auf einem Schiff (benannt nach dem im II. Weltkrieg gegen die Deutschen erfolgreichen Marschall der Sowjetarmee Koshewoy) stattfindet, das in Kiew ablegt und sich dann dem mächtigen Strom Dnjeper hingebend bis ins Schwarze Meer hintreibt. Also ein Festival in ständiger Bewegung. Nicht ortsgebunden. Ein schwimmendes Festival.Im wahrsten Sinne des Wortes auch deshalb, da sein finanzieller, organisatorischer und politischer Bestand immer bis einen Tag vor Beginn der Veranstaltung selbst der talentierten Chefin Irina Kaplytchnaya unsicher und offen bleibt. Besonders an KROK ist auch die Tatsache, dass sich auf dem Schiff für zwei Wochen nur professionelle Gäste (Regisseure, Kameraleute, Animatoren, Journalisten, Kritiker, Festivalorganisatoren, Sponsoren etc.) befinden, die die Filmeprogramme im schiffseigenen Kino sehen. Und es ist schon einmalig, auf der Leinwand Animation zu sehen, der durch das sanfte wiegen und schaukeln des Kinos eine weitere Dimension aneigen wird. Wann immer das Festival in einen Hafen der grossen Städte entlang des Dnjeper einläuft schwirren die rührigen Organisatoren sofort mit einer guten Ladung Animation an Land, um diese dann in einem rammel vollen Kino vor 500 begeistrerten Kinder und Eltern vorzuführen. Gleichzeitig finden für die Lokale Presse Treffen mit Filmemachern und Organisatoren statt. Den Gästen des Schiffs, die nicht an diesen Aktivitäten teilnehmen bietet das Festival Exkursionen durch die jeweilige Stadt oder bietet Besuche in Museen an. Zurück auf dem Schiff, haben emsige Hände schon wieder die Tische im Restaurant gedeckt und das Essen zubereitet. Und das drei Mal am Tag für zwei Schichten ausgehungerter Festivalgäste.

The KROK ship,

Dass das Festival ein ukrainisch russisches Gemeinschaftsunternehmen ist aber auf Ukrainischen Wasser und Land stattfindet ist eine weitere Besondereheit. Dies Gemeinschaft symbolisieren die zwei Festivalpräsidenten. David Cherkasky ist Ukrainer und Eduard Nazarow ist Russe! Würden die Politiker auch so handeln hätten wir weniger Probleme auf dieser Welt. Natürlich demonstriet diese Bilateralität auch den Gedanken, dass Animation eine eigenständige Kunstform ist, die keine Grenzen kennt.

Die Galionsfigur des Festivals Fedor Chitruk, der leider an der Teilnahme verhindert war schrieb in seiner Botschaft: 'Animators are a special breed. One reason for this is the art itself, the mystery of which has yet to be solved.'

Noch zu erwähnen ist, dass kein anderes mir bekanntes Festival den Begriff der Animation so weit fast. KROK zeigt nicht nur eine feine Selektion von künstlerischen Animationsfilmen. Das Rahmenprogramm ist kulturell so breit angelegt (Diskusssion, Musik, Satire, Karneval, Tanz, Essen, Trinken, Museen, etc.) dass auch alle anderen Künste nicht zu kurz kommen: KROK ist selber eine Animation!

Um ein wenig konkreter zu werden und dem Leser einen Einblick in das Festivalgeschehen zu vermitteln, erlaube ich mir nachfolgend die Zeit auf dem Schiff mit meinen, sicherlich sehr subjektiven und bescheidenen Tagebuchaufzeichnungen zu beschreiben. Somit handelt es sich nachfolgend auch nicht um eine Festivalberichterstattung.

Montag 11. August

Durch Zufall begegne ich meinem Freund Paul Bush aus London (Still Life With A Small Cup, GB, 1996) auf dem Züricher Flughafen. Im selben Flugzeug treffen wir in Kiew ein, wo wir von Galina und Alexander empfangen werden. Nachdem Chris Shepherd (The Broken Jaw, GB, 1997) Pedro Serrazina (The Tale About The Cat And The Moon, Portugal 1995), Stefanie Dinklebach (The Imperial Message, Irland, 1996) kurze Zeit später direkt aus Londen eintrafen, bringt uns ein Festivalbus in den Kiewer Hafen, wo das Schiff 'Marschall Koshewoy' schon auf uns wartet. Auf dem Deck findet der Eröffnungsempfang statt. Hier trifft man zum ersten mal auf die weit über 300 Gäste. Es ist mild und mit der heraufziehenden Dunkelheit überschüttet der Mond die ganze festliche Szenerie mit kristallenem Licht. Der Empfang löst sich auf und geht nahtlos über in einen heiteren Tanz unter freiem Sternenhimmel.

oTTo Alder on board. Photo © Paul Bush.

Im Kino wird das Eröffnungsprogramm, welches am Nachmittag in einem Kiewer Kino vor 600 Besuchern gezeigt wurde, wiederholt. Höhepunkt des Programms ist der neue Film von Andrei Khrzhanovsky, Long Voyages. Tonino Guerra (langjähriger Drehbuchautor von Frederico Fellini) hat es zusammen mit Andrei Khrzhanovsky geschrieben. Der Film basiert auf Zeichnungen von Fellini. Maestro, der Held des Films sticht in See um eine herrliche Insel zu erreichen. Tonino Guerra, der Gast auf dem KROK Schiff ist, entführt uns in die Welt der Fellinische Frauenbilder. Ein Film der geradezu speziell für das KROK Festival gemacht zu sein scheint. Das plötzliche vibrieren des Schiffs und der Tanzfläche signalisiert uns das KROK ablegt und unter Sternen klarer Nacht Kiew entfleucht. In der Bar, im Cafe und auf dem Deck wird getanzt, gesungen, gesprochen bis die Nacht in den neuen Tag übergeht. Dienstag 12. August Eine sanfte russische Frauenstimme holt mich aus meinen Träumen und erinnert daran, dass es Frühstück gibt und um 10 Uhr der zweite Wettbewerb läuft. Die weichen Gartenstühle mit denen das Kino bestückt ist passen sich dem sanften Schaukeln des Schiffes an und entführen uns in Flat World. Der neue Film des Briten Daniel Greaves, der mit Manipulation 1991 einen Oscar einheimste. Der technisch innovative und erzählerisch furiose Film über Matt Phlatt, seine Katze und seinen gierigen Fisch, versetzt das vollgestopfte und völlig überhitzte Kino in schallendes Gelächter. Obwohl der Film mit seiner Botschaft (Fernsehen sei langweilig und leistet nur der Verblödung vorschub) nichts neues erzählt, lässt sich das Publikum mit grossem Spass durch den brillant animierten Film gerne wiederholen.

Im Gegensatz dazu holte der Film Under The Waxing Moon des Belgiers Hans Spilliaert der die massenhafte Verfrachtung von Rindern zur Schlachtung auf fragwürdige Weise mit dem Holocaust auf eine Ebene setzt, das Publikum jäh zurück in die Realität. Danach im selben Programm noch witzige Filme zu programmieren (Alexander Tatarsky's Pilot Brothers) geht nicht mehr und wird dann eher eine Zumutung. Die Selektion für den Wettbewerb wurde von Youri Norstein, Natalya Loukinykh, Boris Pawlow (alle Russland), Jiri Kubichek (Tschechien), Svetlana Kutsenko, Alexander Shpilyuk (beide Ukraine) und Kurine Zereteli (Georien) vorgenommen. Von ca. 380 eingereichten Filmen wurden 120 im Wettbewerb gezeigt.

Aufziehende Wolken, Regen und Nebel treiben die Gäste in den Bauch des Schiffs. Dort kann man Michael Aldashin beim Gitarrenspiel, begleitet von Ivan Maximov's Gesang lauschen. Heute findet die Party unter Deck in der Bar und im Cafe statt.

Mittwoch 13. August

Trotz Tanzen Singen, Lachen, Trinken, und Reden bis in den frühen Morgen, füllt sich das Kino bis auf den letzten Platz. Zwei Wettbewerbsprogramm sind zu sehen. Icar (Ungarn 1996) von Geza Toth, eine dreidimensionale Sandanimation visiualisiert den alten Traum der Menschheit vom Fliegen. Ein wenig kunsthandwerklich aber technisch überzeugend. Dieser Film ist der int. Jury (Raoul Servais (Belgien); Igor Volchek (Weissrussland); Natalya Orlowa (Russland); Monique Renault (Niderlanden) und Natalya Chernyshova(Ukraine), ein Diploma wert.

Der Film E=mc2 ebenfalls eine Sandanimation von der Ukrainerin Ala Churikova erzählte von der Geburt der Liebe, der Welt und der Selbstzerstörung. Eigentlich eine Fabel in der zwei Fische zueinander finden und sich am Ende gegenseitig tödlich bekämpfen.

The KROK International Jury. Left to right: Monique Renault, Raoul Servais, Natalya Orlowa, Igor Volchek, Natalya Chernyosova. Photo © oTTo Alder.

Höhepunkt der zwei Programme für mich aber war der Film Golosa (Voices) den die zwei Moskauer Künstler Dimitry Rezchikov und Alexander Ratnowsky 1995 in der klassischen Cartoontechnik herstellten. Beide Regisseure erlernten ihr Handwerk im Moskauer Pilot Studio unter Alexander Tatarsky, bevor sie dann 1994 ihr eigenes Studio unter dem Namen 'DEVON' ins Leben riefen. Es ist unserer bornierten Fixiertheit auf westliche Kultur zu verdanken, dass russische Popkultur bei uns so gut wie unbakannt ist. Voices, ein Musicvideo für den gleichnamigen Song der populären russischen Sängerin Nastya Polewa. Aber auch die animierten Clips Acid Wine und Beasts aus dem gleichen Studio, übertreffen technisch, formal und ästhetisch in ihrer klaren Konzeption die oft überfinanzierten Produkte aus dem Westen spielend. Donnerstag 14. August Die KROK-Gäste scheinen keinen Schlaf zu kennen. Wieder tanzte das Festival bis tief in den Morgen. Der Himmel über der Ukraine ist wieder sonnenklar. KROK legt im Hafen von Kherson an. Nach dem Wettbewerb bringt ein Boot die ganze Gesellschaft auf eine Insel, wo uns ein Picknick geboten wird und ein Massenschwimmen stattfindet. Abgekühlt vom Schwimmen, stellen sich die Filmemacher den allabendlichen Fragen der Journalisten und Kritiker. Gleichzeitig tanzen auf dem Deck die jüngeren Gäste zu harten Techno Rythmen. Die 'Aelteren' treibt es in die Bar zu live vorgetragener Musik aus der Ukraine. Der Pianist und die Sängerin lassen das Publikum nicht vor fünf Uhr in der Früh zur Ruhe kommen. Im Cafe am anderen Ende des Schiffs spielen manche Karten, andere Diskutieren heftig bis spät in die Nacht. Und dort in der anderen Ecke des Cafe's wird herzhaft gelacht. Das 50 Angestellte des Schiffs (vom Kapitän bis zum Koch) Tag und Nacht für das Wohl der Gäste sorgen fällt überhaupt nicht auf. Alles läuft wie am Schnürchen.

Freitag 15. August

Nach dem Frühstück macht das Festival im Hafen von Odessa fest. Paul Bush ist heute besonders elegant gekleidet. Sicherlich ist dies damit zu erklären, dass sein Film heute im Wettbewerb läuft. Paul ist nicht nur zum Vergnügen auf dem Schiff. Er nutzt jede freie Minute um an seinem neuen Film zu arbeiten. Da er die Kratztechnik (scratch technic) anwendet, passt sein Studio (Lichttisch, belichtetes 35mm Material und Werkzeug) spielend in sein Handgepäck. The Rime of The Ancient Mariner so der Titel seines Projekts, wir die Visuallisierung und Interpretation eines Gedichts von Samuel Tayler Coleridge, das dieser 1820 schrieb. Der Film wird 15 Minuten lang und soll im nächsten Jahr fertiggestellt sein. Immerhin hat Paul Bush bis dahin noch weitere 5.000 Bilder zu kratzen. Keine leichte Arbeit wenn man berücksichtigt, dass er an einem Bild manchmal bis zu fünf Stunden arbeitet. Trotz strahlender Sonne ziehen sich dunkle Wolken über KROK zusammen. Das Mitglied der Jury, Igor Volchek musste wegen Problemen mit dem Magen ins Krankenhaus gebracht werden. Aus Moskau kam die traurige Nachricht, dass Vadim Kurtchevsky, herausragender Regisseur von vielen populären sowjetischen Filmen in der letzten Nacht gestorben ist. Viele seiner Freunde sind an Bord. Die Trauer zieht sich durch das ganze Schiff und ist in die Gesichter der Menschen geschrieben.

Late night on the deck. Left to right: Richard Hutchinson (U.K.), Gerben Schermer (Holland), Pedro Serrazina (Portugal), Chris Shepherd (U.K.). Photo © oTTo Alder.

Der Blick vom Deck bietet einen einmaligen Blick auf die durch Sergei M. Eisensteins Film Battleship Potjomkin zu weltberühmtheit gelangte Hafentreppe von Odessa. Kein Besucher des Festivals lies es sich entgehen, diese Stufen hinauf in die Stadt zu nehmen. Es scheint, dass die schöne, picturesque und südländisch anmutende Stadt Odessa die Trauer aus den Gesichtern der Festivalbesucher wehte.

Nach dem Abendessen läuft im Wettbewerb der Langfilm Katherina &Witt (Deutschland, 100 Min., 1997) von Mariola Brillowska und Charles Kissing. Mit brutalen, auf wesentliche Symbole reduzierten Bildern erzählt der Film eine Abenteuer- und Liebesgeschichte von zwei Interpol Agenten, die dabei sind, den grössten Kunstraub aller Zeiten aufzuklären. Der dialog- und textlastige Film übt harsche Kritik an der Kommerzialisierung der Kunst Kunsthandel und wirft viele berechtigte Fragen über die 'wahre' Bedeutung von Kunst in der heutigen Gesellschaft auf. Meine Befürchtung aber ist, dass Katherina &Witt selber ein Objekt des zwielichtigen Kunstmarkts und des dazugehörigen Subventionismus, wie er im Film selber kritisiert wird, sein könnte.

Als kultureller Höhepunkt des Rahmenprogramms galt die Lesung eines populärer Odessaer Satiriker im Kino. Die Russisch oder Ukrainisch sprechenden Besucher dieser Lesung waren Lachmuskel-strapazierend unterhalten. Mir blieben die Texte leider fast gänzlich verschlossen.

Samstag 16. August

Im Wettbewerb lief Casting des italienischen Altmeisters Guido Manuli. Die Gags hat man schon andernorts oft gesehen. Frauen die mit ihren grossen Brüsten agieren kann ich beim besten Willen nicht mehr witzig finden. Obwohl technisch einwanofrei, stellt sich bei diesem Film, dem jegliche Originalität fehlt das lachen nicht ein.

Quest von Tyron Montgomery und Thomas Stellmach hat seinen Oscar wohlverdient. Jedoch nach mehrmaligem sehen verliert der Film an Haltbarkeit. Die Geschichte ist so flach gestrickt, dass sie tatsächlich nach dem zweiten Mal sehen ihre Tiefe verliert.

Bolexbrothers (Bristol, GB) Chef Richard Hutchinson präsentierte im Wettbewerb Mike Booth's The Saint Inspector. Hutchinson berichtete auf der nächtlichen Pressekonferenz, das der Film weltweit schon an über 16 Fernsehsender verkauft werden konnte. Ebenso nutzte er die Möglichkeit, dem Publikum spontan das neueste Commercial seiner Firma, das mit einem Budget von £120.000 für Carlsberg Beer hergestellt wurde, vorzustellen. Der 20 Sekunden Spot (Regie: Dave Borthwick/Modell Animation) zeigt einen Schneemann im Kühlschrank der draussen auf einer frischen sommerlichen Wiese ein schönes junges Paar beim Bier trinken beobachtet. Angetan vom zu bewerbenden Produkt treibt es den Schneemann aus seiner frostigen, lebenserhaltenden Umgebung hinaus auf die Wiese, wo er sich dem kühlen Getränk hingibt und.....

Höhepunkt des heutigen Programms war die Retrospektive mit Filmen von Igor Volchek. Volchek, der sich schon auf manchem KROK Festival als begnadeter Pianist und Entertainer hervorgetan hatte, studierte am Minsker staatlichen Konservatorium Piano um danach an den Advanced Courses for Scriptwriters and Animation Film Directors in Moskau. Dort eignete er sich die Kunstfertigkeiten der Animation unter Chitruk, Norstein Nazarow und Khzhanovsky an. Heute arbeitet er als Artistical Director of Belarusfilm Studio (Minsk) und unterichtet Animation in Minsk. Capricio (1986) sein persönlichster und wohl autobiographisch zu verstehender Film markierte für mich den Höhepunkt des Festivals überhaupt und unterstreicht seine Meisterschaft als Autor und Regisseur. Ein Animationskünstler, den es internationalen noch zu endecken gilt.

KROK bietet noch weitere Spezialprogramme die ich jedoch nicht sehen werden kann. Darunter sind Retrospektiven von Monique Renault, Natalya Orlowa, Natalya Chernyshova, Fedor Chitruk, Vyacheslav Kotionochkin und Eugen Sivokon. Weiter Pogramme sind: eine Retrospektive des Ukrainischen Animationsfilms, ein Programm zum Thema 'Cinema about, Cinema'; 'Eros and Anima'; 'Computeranimation from SIGGRAPH' etc. Also insgesamt ein vielfältiges Festivalprogramm.

Sonntag 17. August

Wir treffen in Sevatopol ein. Mit einer Fähre erreichen wir das nahegelegene Khersones, wo direkt am Ufer des Schwarzen Meers die griechischen Ruinen zu besichtigen sind. Diese Tour durch die Ruinen gipfelt in einem erfrischenden Bad im Meer.

Paul Bush demonstrating his scratch-on-film technique in a makeshift studio in his cabin. Photo © oTTo Alder.

Heute läd Paul Bush die an seiner Arbeitsweise Interessierten in sein improvisiertes Studio, das er in seiner Kajute eingerichtet hat ein. Das Interesse ist gross, möglicherweise auch desshalb, da bis jetzt seine scratch technic in Russland, der Ukraine und Weissrussland kaum anzutreffen ist. Nach dem Wettbewerb gibt es im Cafe eine Präsentation des Projects 'Moscow Animation Project'. Aus Anlass des 850 jährigen Jubiläums der Stadt Moskau, stellte die Stadtverwaltung für dieses Projekt 2 Millionen US$ zur verfügung. Unter der Leitung von Michael Aldashin (Creative Director) sollen bis Ende des Jahres ca. 40 kurze Animationsfilme entstehen, die dann als Kompilation in Kinos und im Fernsehen zur Aufführung kommen werden. In das Projekt sind neben Aldashin auch Jouri Norstein, Alexander Tatarsky, Andrei Khrzhanovsky, um nur einige zu nennen, involviert. Darüber hinaus wareren auch nichtrussische Künstler eingeladen am Projekt teilzunehmen.

Nathalya Loukhynik stellte daran anschliessend das KROK-Kinder Workshop Projekt vor. Schon im Juni wurde mit zwanzig Kindern ein kurzer Animationsfilm (direct Animation) angefertigt. Dieser Film wurde nun im Rahmen vom KROK Festival von den anwesenden Profis ergänzt und erweitert. Das Ergebnis soll dann am Ende des Festivals dem Publikum vorgeführt werden.

Nach der Pressekonferenz bewegte man sich wieder in die Bar. Sinnigerweise wird diese Form der nächtlichen Unterhaltung vom Festival mit 'Re-Animation Club' bezeichnet.

Montag 18. August.

Meine Zeit auf KROK läuft ab. Das Schiff legt in Artek an. Gleich nach dem Frühstück gibt es ein Boot das uns nach Jalta bringt. Zum ersten mal in meinem Leben besuche ich diese schöne, aber von Touristen (wie ich einer bin) überrannten Stadt. Anschliesend beteilige ich mich wieder an einem sogenannten Massenschwimmen, das dieses Mal im einladenden Wasser des Schwarzen Meeres stattfindet.

Der letzte Wettbewerbsblock des Festivals entpuppt sich als der stärkste. Pink Doll (Valentin Ohlshvang, Russland); End of the World in Four Seasons (Paul Driessen, Kanada); Clocks (Kerstin Winter, Germany); Bird in the Window (Igor Kowaliow, USA) und Many Happy Returns (Marjut Rimminen, GB) sind so herrausragende Filme, die für die teilweise schwache Selektion der anderen Wettbewerbsprogramme (zu viele Filme in einem Programm und daher viel zu lange Programme) entschädigen. Im gleichen Programm sind neue Commercials der Russen Konstantin Bronzit, Rinant Gazizov und Alexei Karaev zu sehen. Commercials ist für die Russischen Künstler nun schon seit einigen Jahren, ein ökonomisch sehr willkommenes Betätigungsfeld. Viele Animatoren und Regisseure sichern sich damit ihren Lebensunterhalt. Beachtlich ist, die hohe Qualität dieser Auftragsfilme.

Artek ist ein Erholungszentrum für Jugendliche und Kinder. Das Festival organisiert hier einen Workshop mit Kindern und ergänzt das Ferienprogramm der jugendlichen Besucher mit open air screenings (Das Festivalmotto: Die besten Filme der Welt für die Kinder der Ukraine). Beide Vorstellungen sind voll gestopft mit Zuschauern, die begeistert dem Programm folgen. Die Riesenleinwand des einen Kinos ist direkt am Strand des Schwarzen Meers aufgestellt, rechts und links von schlanken Akazien begrenzt. Schräg darüber steht der freche, volle Mond der die laue Sommernacht mit einem milchweisen Schleier überzieht.

Auf dem Fussweg entlang dem Strand zurück zum Schiff vernehme ich schon von weitem die Tanzmusik und die Freudenschreie der begeisterten Tänzer. Ohne in dieser Nacht ein Auge zu schliessen, tanze ich bis in den frühen Morgen. Jetzt ist es die aufgehende Sonne dem KROK-Zauber ein jähes Ende setzt. Einen Tag vor der Preisverleihung und eine Woche vor Festival Ende bringt mich ein Bus in morgendlicher Fahrt zum Flughafen nach Simferopol. Im Bus dämmert es mir, dass KROK ein unbeschreibliches Festival, ja sogar ein Wunder ist. Danke KROK!

oTTo Alder war Programm Direktor des Int. Trickfilm Festival Stuttgart, ist Gründungsmitglied des 1995 gegründeten 'Fantoche' Festival (Baden, Schweiz),ist seit 1993 verantwortlich für das Animationsfilm Programm des Int. Leipziger Festivals (Deutschland),Mitglied des Beratungskremiums des Internationalen Animationsfilm Festivals Ottawa wirkte arbeitete als Mitglied von Auswahlkommissionen und Jurys vieler Festivals und arbeitet zur Zeit an einem Dokumentarfilm über den Russischen Animationskünstler Fedor Chitruk.

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